Erfahrungen eines Paten

Claus Meister berichtet über seine Erfahrungen als Jobbrücken-Pate:

 „Ich hatte ein erfülltes Berufsleben und bin froh, in einem Land zu leben, das mir viel gegeben hat. Nach dem Ende des Berufslebens möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben und engagiere mich deshalb in zwei sozialen Projekten.

 Auch für mich war es nach der Schule unklar, wohin mein Berufsweg führen sollte. Ein Geschäfts-Kontakt erzählte mir von der Jobbrücke, die hilft, diesen Weg zu finden. So wurde dies zu einem meiner Projekte. Aktuell betreue ich meinen zweiten Patenschüler. Ich freue mich sehr, dass mein erster Patenschüler zwischenzeitlich seinen Weg gefunden hat – im April mit einem Ausbildungsvertrag. Seit Anfang September arbeitet er nun in seinem Ausbil­dungs­betrieb, und es macht ihm erkennbar Spaß.

 Christian habe ich genau ein Jahr betreut. Im April 2020 haben wir das erste Telefonat geführt, mit den Eltern gemeinsam, die Christian und das Projekt „Jobbrücke“ stark unter-stützt haben. Natürlich hat es uns Corona nicht leichter gemacht. Eine Vertrauensbasis auf­zubauen, die für die Patenarbeit wichtig ist, das ist ohne direkten Kontakt ziemlich schwie­rig. Glücklicherweise hat Christians Familie einen Garten und wir hatten an den ersten Terminen, die wir wöchentlich ausge­macht und durchgeführt hatten, meist Wetterglück. So konnten wir uns besser kennenler­nen. Später, als es um Bewerbungen und Bewerbungsun­terlagen ging, haben wir auch einmal Video-Termine gemacht, bei denen wir gemeinsam auf Christians Computer die Unterlagen bearbeitet haben. Unsere wöchentlichen Termine dau­erten in der Regel eine Stunde oder etwas länger, doch es gab auch Nacharbeiten, mal für Christian, mal für mich, und auch Telefo­nate anlässlich von Bewerbungen oder besonderen Ereignissen. Und natürlich gab es auch Ferien und Wochen, in denen wir die Termine mangels neuer Themen ausfallen lassen konnten.

 Zunächst war nicht klar, wohin der Weg führen sollte. Die Berufsberatung hatte Christian unterschiedliche technische Berufe aufgezeigt. Wir haben uns über die Ausbildungsgänge, deren Schwerpunkte und Perspektiven über das Internet gemeinsam informiert, Prioritäten gebildet und ausgesondert und dann versucht, passende Praktika zur weiteren Klärung zu finden. Trotz der Corona-Schwierigkeiten konnten wir gemeinsam für die Pfingstferien zwei Praktika und ein weiteres für die Sommerferien organisieren, für drei verschiedene Ausbil­dungs-Berufe. Zwei Firmen und Berufsbilder gefielen Christian, das dritte Praktikum führte zu der Erkenntnis, dass dieser Beruf nicht so spannend wie erwartet war – auch das eine nütz­liche Erkenntnis. Es sah so aus, als ob der Weg nun klar sei.

 Die Schwierigkeiten kamen im Herbst und Winter. Der erneute Lockdown mit Schulschlie­ßun­gen war belastend, die Motivation sank, dass es kaum Stellenausschreibungen für eine Be­werbung gab, sorgte für Verunsicherung. Vielleicht doch weiter Schule? Brauchen wir einen Plan B, wenn wir nichts finden würden? Dass es bei einem der Ausbildungsgänge (im Hand­werk) im ersten Lehrjahr kein Geld geben würde, war auch eine negative Erkenntnis. Ge­mein­sam mit den Eltern, die wei­terhin gut unterstützten, überwanden wir dieses Tief, erwei­terten die Bewerbungen. Schließ­lich führte ein Telefonat mit der Firma, in der Christian das interessanteste Praktikum absol­viert hatte, zum Erfolg: Eigentlich wolle man dieses Jahr gar nicht ausbilden, aber Christian habe einen guten Eindruck gemacht, ihn würde man nehmen. Zwei Wochen später war der Ausbildungsvertrag als „Elektroniker Betriebstechnik“ unter­schrieben. Genau ein Jahr nach unserem ersten Kontakt – als der Weg noch völlig unbekannt war – konnten Christian, die Eltern und ich im Garten den Abschluss unserer gemeinsamen Wegfindung feiern. Motiviert durch den Ausbildungsplatz hat Christian auch einen guten Schulabschluss gemacht und wird auch beruflich seinen Weg machen. Ich habe ihn anlässlich des Abschlusses und nach den ersten Arbeitstagen nochmals getroffen und freue mich, zum Abschluss des ersten Berufshalbjahres wieder von ihm zu hören. Mit seinen Eltern ist er gemeinsam überzeugt, dass die Jobbrücke einen wichtigen Beitrag geleistet hat, den richtigen Weg für ihn zu finden.“

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